Die Bachen's 

-------------------------------------------------------------------- 2008 --------------------------------------------------------------------
Was soll ich sagen!? 2008 war ein Jahr geprägt von Extremen - Gutem wie Schlechtem und trotzdem oder gerade deswegen denke ich sogar gern an das Erlebte zurück. Aber der Reihe nach.

Saisonauftakttraining 2008
Angefangen hatte alles wie in den Jahren zuvor: die berühmt-berüchtigten 1000km-Hockenheim an Ostern. Wolfgang Harbusch konnte sich dieses Jahr aus verschiedenen Gründen leider nicht engagieren und war aber auch glücklicherweise nicht sauer, dass ich in dem Fall mich mit meinem alten Sportkameraden Jörg Westermann auf seiner privaten Suzuki GSXR1000 zusammenspannte. Jörg und ich wollten es nochmal wissen, konnten wir doch bereits 1999 die 1000km gemeinsam gewinnen. Das Material war gut und Jörg fuhr extra zum Wintertraining nach Spanien, um sich in Schuss zu bringen. Ich hielt es wieder bei der üblichen Boris Becker-Vorbereitung ("...äääh - rein mental ...") und es fluppte auch gleich wie immer bei mir. Der strenge Winter machte für genau 2 Tage ein Pause und die Temperaturen waren an diesem Sonntag bei unglaublichen 20°C - zuvor und unmittelbar danach waren es Temperaturen um die 5°C. Genau in diesem Fenster konnte ich 2 Läufe einer Touristenfahrt als Training nutzen und stieß dort auf den ehemaligen WM-Fahrer Treutlein, mit dem ich mir heiße Duelle lieferte. Am Ende konnte ich nach hartem Kampf mit gutem Ende für mich mein Ego mächtig aufbauen.
O.K. - ich war nun wieder reif für den kommenden Sieg - zumindest mental :-))

1000km-Hockenheim 2008
Der Termin für die diesjährigen 1000km war so früh wie noch nie zuvor: 22. März. Das Wetter war unbarmherzig um den Gefrierpunkt und das Thema Nr. 1 war: "Wird die Traditionsveranstaltung abgeblasen oder nicht?" Um es kurz zu machen - sie wurde nicht. Unglaublich aber der Start wurde lediglich von 8:00 auf 9:00 verschoben und so gingen wir bei 2°C tatsächlich raus und zwar auch noch auf eine feuchte Piste. Wolfgang Heger und ich waren die Ersten, die die Piste betraten und obwohl Heger ein Regenexperte ist und üblicherweise gut auf rutschigen Terrain zurecht kommt, lag er auch prombt in der allerersten Kurve vor meinem Vorderrad auf der Nase. Die Traditiondistanz wurde nach weiteren Stürzen dramatisch gekürzt als es plötzlich abtrocknete und entgegen den Schneefallprognosen der Wetterexperten, sich die Sonne für rund 4 Stunden durch das wohl einzige Wolkenloch in ganz Deutschland bohrte.
Ganz klar: Petrus ist eine Racer!
Alle machten sich nun Ihre Rennpellen drauf - ääh fast alle: Nur Jörg und ich ließen unser Dunlop "Renn-Gold" D209GP in der Box und fuhren mit normalen Michelin 2CT, die zwar bei Nässe eine Klasse für sich sind aber nach einigen harten Rennrunden auf trockenem Asphalt tierisch in die Knie gehen. Und so solte es kommen.
Mein Start war wie immer ein Knaller. Nach der ersten Runde kam ich mit einem Vorsprung von etwa 50m wieder über Start-Ziel. Das ging auch gut weiter so, jedoch kam dann in Runde 3 der große Einbruch der Michelins und schon beim dran denken am Kurvenausgang ans Gas zu gehen, rutschte die Fuhre nun erbärmlich. Ruck zuck kamen der 2. und 3. platzierte und wir lieferten uns einen gen
ialen Fight. Auf der Bremse konnte ich jeweils gegenhalten und mich wieder in Front bringen, am Kurvenausgang wurde ich wieder hingerichtet. Als ich dann auf Jörg immer noch an 2ter Position liegend unmittelbar hinter dem Führenden übergab rutschten wir beim Wechsel sogar erneut auf Position 1 zurück. Leider hatte Jörg mit dem kläglichen Zutand der Reifen keine Verträge mehr, das Vertrauen war dahin und wir fielen auf den undankbaren 4. Platz zurück. Als wir dann am Ende des Rennens auch noch erfuhren, dass wir disqualifiziert wurden, da ich einen Überrundeten auf der Zufahrtsstraße zur Boxgasse überholt hatte, waren wir gar nicht übermäßgig traurig. Wir hatten mächtig Spaß gehabt, trotz des Reifenmankos den Konkurreten gezeigt was eine Harke ist und auch noch alles heil belassen. - Spitze ! ! !

Herr Schäfer auf dem Renngummi macht mir das Leben beim Rausbeschleunigen ein aufs andere Mal schwer aber auf der Bremse wird er doch wieder hingerichtet :-)) Schade, dass auch unsere Dunlop D209GP nicht aufgezogen waren... 2 sec. bringen die locker pro Runde und was das bedeutet hätte
... !? - Egal!!!

Bremerhavener Fischereihafen Rennen 2008
Wolfgang Harbusch rief mich einige Wochen vor Pfingsten an und fragte, ob ich nicht Lust hätte mit der Familie hoch in den Norden zu kommen und eine schönes Wochenende mit der Mannschaft von Wellbrock & Co. beim Bremerhavener Fischereihafen Rennen zu verbringen. Eine seiner CBR1000-Waffen mit 207PS stand für die Open-Klasse bereit, feinste Dunlop 16,5"er übernahmen in gigantischer 205er Breite die "Haftung" und die Technik-Crew geführt durch Wolfgang stand immer bereit. Hotel und Hospitaly vom Feinsten - da kam ein wenig Werksfahrer-Flair auf. In den Jahren zuvor konnte ich bereits 2mal in der Supersport Klasse an den Start gehen und trotz wenig gutem Material immer die Plätze 2 und 3 belegen, da sollte mit der geballten Wellbrock-Power doch ein Sieg machbar sein - so zumindest mein persönlich klar gestecktes Ziel, bescheiden wie immer und nicht an zu wenig  Selbstbewußtsei mangelnd :-))


Eigentlich wollten wir aktuelles 2008er Material einsetzen, was mir auf Grund der guten Fahrbarkeit der neuesten 2008 Variante sehr gut gefallen hätte, leider wurde die Maschine aber nicht fertig, so daß wir auf eine 2005er CBR zurück griffen. Diese stand jedoch mit sage und schreibe 207PS komplett aufgebaut bereits in den Hallen von Wolfgang und sollte schließlich ebenso absolutes Topmaterial sein. Die Maschine war jedoch so stark, daß man prinzipiell ausschließlich auf dem Hinterrad unterwegs war. Der Vergleich zum "Helikopterfliegen im Wohzimmer"
trifft den Nagel auf den Kopf. Und auch wenn man nicht annähernd auf dem kleinen Kurs die Gänge durchladen konnte und somit die schöne Leistung nie zum Vorschein kam, wie etwa auf anderen permanenten Rennstrecken, war doch das Geamtpaket aus Reifen und Fahrwerk wieder einmal eine Wonne - Wolfgang weiß eben wie kein Zweiter an welchen Schrauben gedreht werden muß, um ein prächtiges Race Bike zu bauen. Die beiden freien Trainings konnten wir immer auf Platz 1 dominieren und auch nach dem Qualifying, war ohne großes Risiko die Pole Position für uns reserviert.


Aber wie heißt es doch so schön "Spital oder Pokal!" und so sollte es leider nichts mit dem Siegerlorbeer auf dem Podest werden, sondern die Intensivstation des Bremerhavener Klinikums war die Endstation des Wochenendes. Beim Versuch den zu dem Zeitpunkt führenden Elmar Geulen alias "Mr. Hayabusa" zu überholen, mußte ich in eine Strohballen-Schikane leider doch höheres Riskio eingehen als mir lieb war und ihm hier sehr dicht auffahren, um im Anschuß zur folgenden Kurve ein Ausbremsmanöver starten zu können. Leider kam es gar nicht so weit, denn Elmar blieb in besagter Schikane mit seiner Fußraste an einem Strohballen hängen und da ich lediglich ca. 0,5m hinter ihm war, wurde dieser mir ohne Chance ins Vorderrad gespült. Die CBR stieg auf und fuhr ungebremst geradeaus in eine Hauswand - peng! Elmar trifft hier keine Schuld, denn das passiert hier immer wieder.

Ich merkte gleich, daß dies ein Einschlag Typ "Mike Tysson -Upper Cut" war, wenn ich auch nicht das Bewußtsein verlor aber ich war nicht im Stande aufzustehen. Ich dachte nur an Silke, Jan und Ben, die vergeblich auf Start/Ziel warteten, wo sie noch zuletzt Ihren Papa um den Sieg anfeuerten. Die Maschine fing nun auch noch feuer und bis zum Rennabruch sollte es mir noch ewig vorkommen. Als die Ärzte eintrafen, sagte ich sofort ich müsse telefonieren und Silke & den Kindern, wie auch Wolfgang und seiner Mannschaft Entwarnung geben. Man verwehrte mir dies natürlich zuerst, war doch jetzt alles andere wichtig, nicht aber telefonieren. Aber nach einer gewissen Zeit hatte einer der anwesenden Rennärzte doch ein Einsehen und hielt mir Ihr Handy ans Ohr.

Nun sollte alles gut werden. Ich wurde medizinisch und auch sonst rundum bestens versorgt. Silke - meine geliebte Frau, Jan und Ben - meine tapferen Söhne, Wolfgang Harbusch - mein wirklich guter Freund, Willi Kröger - der Rennleiter, Jörg & Birgit Westermann - meine Sportsfreunde und das ganze Ärzteteam kümmerten sich bestens.
Dafür Euch allen nochmals 1000 Dank ! ! ! Am Ende wählte mich sogar noch die Zeitung "PS" zum <Racer des Monats>, was mich zwar wirklich sehr freute, obwohl mir der Siegerlorbeer und keine Ehrung lieber gewesen wären.