-------------------------------------------------------------------- 20.12.2005 --------------------------------------------------------------------
Motorradrennsport Highlights
Wie alles begann
So lange ich mich erinnern kann waren Motorräder schon immer meine Leidenschaft. Ob ich nun als kleiner Junge an jeder geparkten schweren Maschine kleben blieb oder mein Fahrrad motorradmäßig aufmotzte, im Prinzip drehte sich alles um diese zwei Räder. Auch wenn meine Motorradbegeisterung verständlicherweise nicht auf überschwängliche Freude meines Vater stieß, so half er mir doch immer voller Geduld die gewünschten Modifikationen in 1a-Qualität an meinen Fahrrädern umzusetzen. So wurden Schutzbleche schnittig abgesägt, ein Mofa Nummernschild hinten angeschraubt und am linken Lenkerende wurde ein ehemals Bremshebel mittels eine Gummis als Kupplungshebel modifiziert. Mein damaliger bester Freund Michael Wagner und ich fuhren fast den ganzen Tag mit den Fahrrädern umher und die meiste Zeit davon auf dem Hinterrad. Das Crossgelände des Dr. Bauer Sees sollte für uns Knirpse etliche Jahre unsere eigentliche Kinderstube werden und hier wurde gedriftet, gesprungen und sonst alle erdenklichen zweiradartistischen Kunststücke vollzogen. Ich bin feste davon überzeugt, dass in diesen Jahren der Grundstock für meine Fahrzeugbeherrschung und die späteren Erfolge gelegt wurden, denn wo und wann immer wir irgendwo langfuhren, wir bewegten uns ausschließlich am Limit.
Mit 11 Jahren überredete mich meine Schwester ich solle unbedingt ihr Mofa ausprobieren und sie musste mir nicht lange erklären, dass das ganz einfach sei. Im ersten Moment noch von dem enormen Speed eines Mofas hin & weg, waren wir beide uns sehr rasch klar, dass wir hier nachbessern müssten. Nun, was soll ich sagen, die nun kommenden Erfahrungen sollten wohl das Schlüsselerlebnis werden, was mich dazu bewegen sollte die ursprüngliche berufliche Wunschvorstellung von Arzt in Ingenieur zu wandeln. Mit 14 folgten dann Eskapaden mit der Enduro Honda XL185S meiner Schwester Claudia, meinem eigenem Mofa und später meiner heiß geliebten Honda MTX80.


Später kamen dann Abstecher auf einer 250er KTM und einer 250er Gori Motocross Maschine, bis mich ein guter Freund mit einer RD350YPVS infizierte und mich ins Straßenlager rüberzog. Ich durfte sein Gefährt auf einem Autobahn-Kleeblatt ausprobieren, bei dem man immer rechts rum im Kreis fährt. Es hat sofort klick gemacht und gleich bei den ersten Kurven war mein Knie am Boden und die geliehene Lederhose mit einem netten Loch am Knie versehen. Das Foto unten wurde wirklich bei der 2ten oder 3ten Runde auf dem Kleeblatt gemacht :-))


Der Droge Straßensport nun völlig verfallen, wurde meine damalige Crossmaschine und mein wunderschöner Mini Cooper den ich seinerzeit fuhr verkauft und gegen einen Honda 3 Zylinder 2-Takter namens NS400R eingetauscht.

1996 - Erstes sporadisches Rennen mit Tageslizenz in
Dt. Seriensport Meisterschaft 600cc
=> 10. Platz
Mein 1. Race: Schon länger trieb ich mich auf Renntrainings rum und wusste, dass meine Zeiten sich sehen lassen können. Duelle mit den Renncracks liefen trotz des normalen Materials immer spannend ab, nur hatte ich als Student keine Möglichkeiten mir den Traum der Rennfahrerei zu realisieren. Als ich endlich ins Berufsleben eingetreten war und mit einen meiner ersten Gehälter auf etwas neueres Material setzen konnte, beschloß ich eines Tages nach dem Besuch eines Seriensport Laufes dort auch einmal an den Start zu gehen. Ich dachte, dass ich mir hierfür das letzte Rennen der Saison in Hockenheim ausgucken würde. Leider konnte mir keiner mit Rat und Tat zur Seite stehen und so dauerte es eine Weile bis ich alle Informationen beigeholt hatte. Nun zumindest etwas schlauer sicherte vorschriftsgemäß die Ölschraube und Filter, organisierte mir eine Tageslizenz und trat mit meiner völlig serienmäßigen, lediglich auf Rennreifen umgerüsteten CBR600 zu meinem ersten Rennen an. Da ich Gaststarter war blieb mir gemäß Reglement nichts anderes übrig als von den 48 am Start stehenden Fahrern aus der letzten Reihe außer Konkurrenz ins Rennen zu gehen. Ich war zwar nicht wirklich nervös, dennoch schien ich verkrampft, denn es gelangen mir bei weitem nicht die sonst mir möglichen guten Rundezeiten. Als das Rennen abgewunken wurde sollte ich meinen Augen später bei der Durchsicht der Ergebnisliste dennoch nicht glauben schenken. Ich bemerkte zwar, dass ich trotz Verkrampftheit einige Gegner nach und nach aufschnupfte aber das am Ende ein Platz in den Top-Ten dabei rausspringen würde, war eine klein Sensation.
1997- weitere vereinzelte Starts in Dt. SeriensportMeisterschaft 600cc
=> Diverse Top-5 Platzierungen
Erneut versuchte ich in einigen Rennen mein Glück und ich merkte bereits im ersten Lauf der Saison, dass
ich mit richtigen Material auch bereits auf Sieg fahren könnte. Trotz alten unterlegenem Material konnte
ich diverse Top-5 Platzierungen sicherstellen. Eins war nun klar: kommende Saison muß eine aktuelle 600
her!

1998 - Erste komplette Saison zur Dt. Seriensport Meisterschaft sowie diverse Supersport-600 Einsätze mit dem Team von Zweirad-Gebhardt Groß-Gerau
=> 1. Sieg und 3. Endrang in der Dt. Seriensport Meisterschaft
In meiner ersten kompletten Saison sollte dann auch gleich der 1. Sieg kommen. Ich konnte zwar alle Rennen immer unter den ersten 3 abschließen, es dauerte aber dennoch etwas länger bis der Knoten geplatzt war und ich ganz oben auf dem Stockerl stehen durfte. Ein während eines Wintertainings unmittelbar vor der Saison passierter Highspeed Crash mit über 225km/h sollte sich doch länger als erwartet in einer meiner hinteren grauen Gehirnzellen verbeißen. Es war erst das letzte Rennen der Saison und nach einem beinharten Zweikampf gegen Holger Steuer, in dem wir uns pro Runde mindestens 2-3mal gegenseitig überholten, konnte ich am Ende endlich meinen ersten Sieg einfahren. Nun war das Eis gebrochen und ich war reif für weitere Kämpfe um den Sieg.
1999 - Sieg 1000km-Hockenheim auf Honda CBR600 mit co. J. Westermann im Team Zweirad-Gebhardt Groß-Gerau

- Zwei Siege im Eurocup auf Ducati 996 im Team von Ducati Frankfurt
Mit dem Selbstbewusstsein aus dem letzten gewonnen Rennen des Vorjahres ging ich in die kommende
Saison und eine andere Platzierung als Siege wären überhaupt nicht möglich gewesen. Das mag sich blöd
anhören aber wenn man auf einer solchen Welle schwimmt ist alles möglich. Dies sollte dann auch meinem
guten Freund und Rennsportkumpanen mit dt. Meisterehre Jörg Westermann ebenfalls gelingen und wir
beide fuhren unser Rennen unseres Leben. Nach extrem harten Kampf konnten wir uns mit Radlänge gegen
die beiden Größen Michael Galinski und Wolfgang Möckel mit einem Sieg durchsetzen. Hinter uns kamen
schließlich keine geringeren als Jörg Teuchert, Gerold Ankert und andere Top Piloten ins Ziel. Ein Sieg der
Jörg und mir noch später viele weitere Türen öffnen sollte.
Eine dieser Türen führte zu dem großen Ducati Dealer „Ducati Frankfurt“. Marco Daniele gabe mir die
Möglichkeit gaben auf einer Ihrer Ducatis um die Trofeo Italia zu fahren. Ein Doppelsieg in beiden Läufen
von Hockenheim war das Ergebnis und auch hier wäre mit meiner damaligen Einstellung eigentlich nichts
anderes drin gewesen - famos!
Leider entschied ich mich in diesem Jahr, die Rennerei nur noch sporadisch weiter zu machen, was wohl
eines meiner größten Fehler war, denn hier aufbauend hätte ich sicher noch einige Steigerungen bringen
können, die Angebote/Möglichkeiten waren da.
2001- 2.Platz 1000km Hockenheim auf Honda VTR 1000 SP1 mit co. J. Westermann für Zweirad-Gebhard Gr-Gerau
2002 - Diverse sporadische Auftritte in Dt. Seriensport Meisterschaft, SOS und Formula Extremeauf Honda VTR
1000 SP1 mit Top-5 Platzierungen
2003 - 2. Platz 1000km-Hockenheim auf Honda CBR900 von Schreiber Racing Team (SRT) aus Zeven
mit Stamm co.-Pilot Jörg Westermann

- 2.Platz Bremerhavener Fischereihafenrennen Supersport auf CBR600 (SRT)

- Langstrecken WM “24h Oschersleben“ mit Schreiber Racing Team und den Piloten
Jörg Westermann, Gerold Ankert und Rainer Bachen
=> 2. Platz Superstock Klasse
Eigentlich schon längst ausgestiegen ruft nun doch die Weltmeisterschaft. Das Team Schreiber aus
Norddeutschland fragt an, ob wir nicht mit einer Wild Card beim WM-Lauf in Deutschland in die
Langstreckenweltmeisterschaft eingreifen wollen. Die FIM in der Schweiz, vor allem aber auch die Familie
geben grünes Licht und ab geht die Reise. Leider verletzt sich bereits in seinem 2ten Turn unser
Startfahrer Jörg Westermann bei einem Sturz, so dass Gerold Ankert und ich das Rennen mit der
eigentlich unterlegenen Honda CBR900RR die noch ausstehenden rd. 20 Stunden zu zweit zu Ende fahren
müssen. Das Resultat am Ende ist die Sensation von Oschersleben:
Wir stehen bei Nationalhymne und Champagner-Dusche auf dem 2ten Podestplatz

2004 - 3. Platz 1000km Hockenheim auf Honda CBR1000RR (SRT) mit co. Gerold Ankert

- 3. Platz Bremerhavener Fischereihafenrennen Supersport auf Honda CBR600RR (SRT). Ein Rennen für
"Crazy's", denn es findet auf abgesperrten öffentlichen Straßen statt. Man nennt es daher auch mit einem
Schmunzeln: "Das Monaco des Nordens"

2005 - 3. Platz 1000km Hockenheim auf Honda CBR1000RR (SRT) mit Co. Jörg Westermann

2005 - Mein neues Spielzeug und Trainingsgerät, um die Italiener auf Ihrer Turiner Hauspiste ein wenig ärgern
zu können: Kawasaki ZX-10R Wie sagte doch ein blutjunger italienischer Supersport 600 Fahrer nach einem
kleinen Sparring: „Eh Papa – tu sei veloce!“ ("Eh Vadder - du bist aber fix!")


- Langstrecken WM “24h Oschersleben“ auf CBR1000RR (SRT) mit den Drivern Jörg Westermann,
Gerold Ankert und Rainer Bachen.
Nun - um es kurz zu machen: 2mal zerbombt – Teamchef hysterisch das Aus für das Rennen und weitere
gemeinsame Schandtaten verkündet. Aber auch in solchen SItuationen gilt leider der viel zitierte
Spruchuch: „That’s Racing“. Natürlich ist so etwas mehr als ärgerlich und mir tut es vor allem für die
gesamte Mannschaft leid aber ich denke auch, daß man sich der Risiken und Potentiale im Rennsport
bewußt sein sollte und schließlich bohren wir hier nicht in der Nase, sondern fahren hier auf WM Level am
Limit. Schön wäre es gewesen, wenn man hier eheähnlich gesagt hätte: „In guten, wie in schlechten
Zeiten...“, denn schließlich hatten wir mit Jörg Schreiber extrem viele, ja eigentlich ausschließlich
positive Erlebnisse in der Vergangenheit aber schnell sind leider die guten Erinnerungen an vorhergehende
Schlachten bei manchen vergessen - schade. Nun ja, dann soll es eben nicht so sein. Leid tut es mir wie
schon gesagt im besonderen für das Team, dass über Wochen an der Vorbereitung beteiligt war und vor
allem aber für meine beiden Mitfahrer und Freunde Jörg Westermann und Gerold Ankert. Sorry Guys!!!!
2006
Für 2006 habe ich nun ein wirklich ganz tolles Team gefunden. Wolfgang Harbusch von Wellbrock & Co. und ich wollten schon seit längerem etwas gemeinsam auf die Beine stellen und nun endlich sollte es klappen. Wir wollen in der Supersport Klasse der 1000km-Hockenheim eine Honda CBR600RR einsetzen. Wer die Mannschaft um Wolfgang Harbusch und seine Maschinen in den charakteristischen Wellbrock-Rot kennt, weiß daß dieses erlesenstes Material ist.
Beim Testen 2 Wochen zuvor in Hockenheim, war noch alles paletti, doch als Wolfgang mir am Freitag unmittelbar vor der technischen Abnahme sagte, daß er doch nicht starten wolle und ich mit dem Test-Redakteur Georg Jelicic der Zeitung Motorrad an den Start gehen solle, wurde nach kurzer Verwirrung die Zielsetzung um runde 10 Plätze nach vorn revidiert. Georg Jelicic ist natürlich als Testfahrer bestens eingeschossen und seine Supersport 600 IDM-Einsätze sollten ihn darüber hinaus als geeigneteten Parter ausweisen. Das Ziel sollte nun Top-3 heißen.
Um es kurz zu machen: es kam "leider" nur Platz 5 heraus, war aber dennoch für alle Beteiligten O.K., denn es machte viel viel Spaß und vor allem blieben Material und Knochen im Ganzen. Der Grund dafür, daß wir unser Ziel nicht ganz schafften, lag leider an dem üblicherweise als Top-Reifen hervorstechenden Dunlop Rennreifen, der bei dem einsetzenden Regen aber keinen Stich gegen die anderen Hersteller machen konnte. Ein Reifenwechsel innerhalb der letzten entscheidenten 14 Runden war nicht mehr drin und wir mußten das Beste draus machen. Das mit dem Dunlop D209GP unter diesen Umständen schlecht Kirschen essen war, mußte immerhin auch kein anderer als der Supersport Weltmeister vom Jahr 2000 Jörg Teuchert einsehen, denn er versenkte auf dem selben Reifen bei dem Versuch den anderen Piloten hinterher zu hecheln seine neue R6 umgehend im Hockenheimer Kies. Mein Start war wie immer Top und bei noch leicht feuchter Strecke konnte ich meinen 2ten Platz gut halten. Als es aber dann richtig nass wurde und ich nach 4 Fast-Abflügen etwas das Tempo drosseln mußte, ging leider noch ein Konkurrent vorbei, so daß ich an 3ter Stelle auf Georg übergab. Georg erging es nicht besser und so mußte er sich leider noch 2 weiteren Gegnern beugen. Am Ende sprang wie Eingans gesagt ein 5ter Platz heraus und der ist ja schließlich auch nicht von schlechten Eltern. Vor allem ist aber alles heil geblieben und das war bei Leibe nicht allen Teams vergönnt geblieben.
Ein riesen Dank geht auf jeden Fall an Wolfgang Harbusch von Wellbrock & Co. der uns eine wirklich tolle CBR600RR stellte. Die Maschine lag perfekt und war so etwas von spielerisch zu fahren, daß es eine wahre Freude war. Hier merkt man, daß im Team Wellbrock & Co. um Wolfgang Harbusch echte Profis am Werke sind. Auch den Dunlop's möchte ich keinen Vorwurf machen, im Trockenem wäre hier sicher alles drinn gewesen und auch der neue "Qualifier", den wir in der Dauerprüfung einsetzten, war ein wirklich prima Reifen. Vor allem war aber die sehr angenehme und familiäre Atmospäre im Team eine wahre Wonne. Wolfgang und seine Mannen sind nicht nur hervorragende Techniker, sondern auch ganz feine Menschen! Auch hierfür möchte ich allen Beteiligten nochmals danken.
